Die Regeln der Leichten Sprache
Ein Überblick nach dem Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache (Neuauflage 2022). Leichte Sprache macht Texte so verständlich, dass auch Menschen mit Lernschwierigkeiten sie lesen können.
1. Wörter
- Benutzen Sie bekannte, kurze Wörter aus dem Alltag.
- Keine Fachwörter, Fremdwörter oder Amtswörter. Wenn nötig, erklären Sie ein schweres Wort kurz.
- Keine Abkürzungen. Schreiben Sie Wörter aus.
- Trennen Sie lange, zusammengesetzte Wörter, damit sie leichter lesbar sind. Das Netzwerk Leichte Sprache empfiehlt dafür den Bindestrich (Klassen-Lager); leichte.ch verwendet als Hausstil den Mediopunkt (Klassen·lager) – beide erfüllen denselben Zweck.
- Benutzen Sie für dieselbe Sache immer dasselbe Wort.
2. Sätze
- Kurze Sätze. In jedem Satz steht nur eine Aussage.
- Schreiben Sie aktiv, nicht im Passiv. Benutzen Sie Verben statt Substantive.
- Kein Konjunktiv („könnten“, „würden“). Sagen Sie klar, was zu tun ist.
- Vermeiden Sie den Genitiv. Schreiben Sie mit „von“.
- Formulieren Sie positiv statt mit Verneinung.
- Sprechen Sie die Leserinnen und Leser direkt an („Sie“).
- Aus einer Bedingung wird oft eine Frage: „Ihr Kind ist krank? Dann rufen Sie an.“
3. Zahlen
- Benutzen Sie wenige und einfache Zahlen.
- Grosse Zahlen und alte Jahres-Zahlen vermeiden oder umschreiben.
- Prozente sind schwer. Wenn die Höhe wichtig ist, sagen Sie sie lesbar (zum Beispiel „von 100 Menschen sind es 70“).
- Datum und Uhrzeit lesbar: „17. September“ statt „17.9.“, „8 Uhr“ statt „08.00“.
- Geld genau, aber lesbar: „180 Franken“.
4. Text und Gestaltung
- Ein Satz pro Zeile. Trennen Sie einen langen Satz an einer sinnvollen Stelle.
- Klare Gliederung mit Überschriften und Absätzen; Aufzählungs-Punkte für Listen.
- Eine sinnvolle Reihenfolge: erst das Wichtigste.
- Grosse, gut lesbare Schrift, immer linksbündig (kein Blocksatz), genug Abstand zwischen den Zeilen.
- Bilder können beim Verstehen helfen.
5. Prüfen (Regel P1)
Das Regelwerk sieht vor, dass ein Text von Menschen aus der Zielgruppe – also von Menschen mit Lernschwierigkeiten – auf Verständlichkeit geprüft wird. Ob ein Text wirklich verstanden wird, kann keine KI abschliessend beurteilen. Werkzeuge wie unser Checker prüfen die formalen Regeln und sind eine gute Orientierungshilfe – aber kein Ersatz für die Prüfung durch die Zielgruppe.
Von der Theorie zur Praxis
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Quellen zum Nachlesen
• Netzwerk Leichte Sprache – Die Regeln
• Pro Infirmis – Büro für Leichte Sprache (Schweiz)
• Forschungsstelle Leichte Sprache, Universität Hildesheim
Dieser Überblick fasst das Regelwerk vereinfacht zusammen und ersetzt es nicht. Siehe auch: Leichte vs. Einfache Sprache · Häufige Fragen.